Andreas Mantel

1957

Andreas Mantel arbeitet in erster Linie mit Eisen. Meist klare geometrische Formen sind Träger der individuellen Sprache jedes einzelnen Kunstobjektes. Oft werden dabei verschiedene Materialien sehr unterschiedlichen Charakters zusammengeführt und treten miteinander in Kontakt. Meist sind es die Formen, die sich dabei aufeinander beziehen – Quader verschiedener Grösse sind rechtwinklig ineinander verschränkt, durchdringen sich oder das eiserne Objekt wird zum rahmenden Gefäss des zweiten Materials. Dabei ist besonders seine rostige, in verschiedenen Brauntönen matt schimmernde Oberfläche wirkungsvoller Kontrast zu den anderen Materialien wie zum Beispiel: Glas mit seiner schwerelosen Durchsichtigkeit und glänzenden spiegelglatten Oberflächen – meist in Scheiben geschichtet; Schiefer, an den Kanten gebrochen und in etwa gleich grossen Platten übereinander gestapelt;

Weniger hart: Papier, ebenfalls geschichtet und zu Blöcken geschnitten und ganz weich: Schweineborsten, in dicken Bündeln, Büscheln oder Streifen in die Metallobjekte eingesetzt. So finden wir also meist recht naturnahe Materialien, die in Form gebracht dann und mit der eisernen Form in Kontakt gebracht werden: ein Sozialisierungsprozess. Und darin ist Andreas Mantel geübt als ausgebildeter Sozialpädagoge und Werklehrer. Kein Wunder, dass er sich an hartes widerspenstiges Material wagt.

Aber inzwischen ist auch das Gestalten mit zugänglicherem Werkstoff entdeckt: Ton wird geformt und gebrannt. Ziel ist dabei aber nicht gefällige Eleganz, sondern geschundene, vom Feuer malträtierte und von Glasuren überflossene Oberflächen entstehen. Die Hitze des Brandes ist sicht- und spürbar, aber auch menschliche Gestaltungswille, der klare Aussen- und Binnenformen entstehen lässt. Beides trägt zur Schönheit der Keramikobjekte bei. Und sie finden ihre Plätze in präzise dafür angefertigten Metallobjekten. Die Kommunikation kann beginnen.

Aber auch steinähnliche Keramiken entstehen, die ganz für sich in kleinen Gruppen spielerisch zueinander kommen oder aber als ausgesprochene Individualisten einen Sockel für sich ganz allein beanspruchen. Sie sind dicht bei der Gestaltung der Natur, aber eben doch nicht ganz Natur.

Und schliesslich entstehen Objekte mit Reihungen von kleinen Köpfen grosser Tiere: Elefanten und Nashörner schaffen Bezug zur Hitze und Trockenheit Afrikas. Ihre trockene, faltige, ruppige Haut ist eine Brücke zur Oberfläche von Mantels Keramik und es ist auch rissige und reissende Glasur, durch welche Andreas Mantel die Oberflächen bei den Tierköpfen individualisiert. Die Erfahrungen mit Raku-Technik gehen hier eigenwillige Wege ins Extreme – und Afrika ist extrem. Und gerade dadurch besonders reizvoll für den Künstler, der in dieser Gruppe von Arbeiten das alte Thema von Serie und Individuum auf seine spezielle Weise bearbeitet.

Gesprächspartner – die Skulpturenwelt von Andreas Mantel

Jeder Blick in die Evolutionsgeschichte lehrt, dass markante Weiterentwicklungen nur über Bruchsituationen und neue Kombinationen möglich waren – jeder Blick auf die Skulpturen von Andreas Mantel zeigt dem Betrachter diese intensive Arbeit an und mit den Bruchstellen der verwendeten Materialien und Formen. Stets verschränkt sich hier etwas, stets verbinden sich Elemente, suchen gemeinsam mehr zu sein als eine Bedeutungssumme von Einzelbestandteilen, suchen vor allem die Kommunikation nach aussen. In ihrer Formgestaltung ist bei diesen Skulpturkörpern immer das Bemühen erkennbar, eine Funktion als sprachliches Zeichen zu erproben, die aus einer Sprache tiefer Gefühlswahrnehmungen und zugleich übergeordneter Erzählungen stammen – eine Art von Metasprache, die sich auf prägnante, Kulturen übergreifende Aussageformen hin orientiert, Materialwirkungen genau kalkuliert und zudem mit interessanten Titelgebungen überrascht: „Lichtdurchbruch“, „heaven windows“ oder „insieme“ geben hier klare Zuordnungsperspektiven vor, auch das Kunstwort „Emogramm“ ist als Botschaft eines deutlich akzentuierten Kunstwollens der intensiven Beschäftigung mit kommunikativen Aspekten jeder (künstlerischen) Zeichensetzung lesbar. Es geht um die Suche nach den verdichteten Mitteilungen, den tieferen Schichtungen jeder „Ge-schichte“ (wie der Künstler selbst so prägnant formuliert hat). Und hier landen wir immer wieder gemeinsam mit dem Eisenplastiker bei der Auseinandersetzung mit den Brüchen, den Kanten, den Öffnungsmomenten des Materials. In der kompakten Schichtung der Materiallagen, die jeweils die Bruchkanten nach aussen angreifbar macht, verbinden sich Fragilität und Neuzugang mit der Massivität des Bewahrens und der Überbrückung des Moments. Gerade die Skulptur orientiert sich wie kaum eine andere Kunstform an einer zeichenhaften Körpergestaltung, die fähig ist, sich den Augenblickswirkungen langfristig entgegen zu stellen, diese zusammen zu führen und entwicklungsorientiert gleichsam zu ballen. Sie komprimiert in diesem Sinne Informationen, sie konzentriert Aussagen – vergleichbar einem Zellkern, der die jeweiligen Entwicklungsmöglichkeiten jedes Zellkörpers in sich trägt und zu steuern vermag. Solche „Zellkörperformen“ finden sich häufig im Werk von Andreas Mantel; Materialverdichtungen, die in geballter Form geschichtet und dann von grösseren Umgebungsfiguren – zumeist in Metall gestaltet – „ummantelt“ werden. Durchaus selbstbewusst stehen sie sowohl im Naturumfeld wie in Innenräumen, ihrer Verbindungskraft bewusst, nicht zuletzt auch souverän in der Kraft der reinen Materialwirkung, die sich stets appellativ an den Betrachter wendet: eine Sprachform des sehr konkreten Sich-Konfrontierens einfordernd, mit dem Ziel, damit Impulse für weitere Entwicklungsverschränkungen möglich zu machen. Diese Bruchkantenkörper öffnen sich, nötigen aber auch Respekt vor diesem kommunikativen Öffnungsverfahren ab. Sie bewahren damit auch eine Art von Respektsabstand, verbinden direkte Unmittelbarkeit der Wirkung mit einem umgebenden Reflexionsraum, geben also auch Platz gleichsam für das Echo der jeweiligen Botschaften, sozialisieren diese. Häufig entsteht der formale Eindruck von Umarmungen, von einem Prozess des sich wechselseitig nicht nur Berührens, sondern auch Hebens und Tragens, beinahe einer Tanzfigur vergleichbar. Eine individuelle Existenzbotschaft verhakt sich gleichsam in der anderen, nicht das einsame Moment einer Äusserung ist wichtig, sondern die gemeinsame Erforschung des Sprachmöglichen. Kunst ist Kommunikation – Peter Assmann

Beruf:

Eisenplastiker

 

Ausstellungen:

  • 1993 Galerie Vogtei, Herrliberg
  • 1996 Galerie Vogtei, Herrliberg
  • 2003 ArtInsektArt Kulturpark, Gersau
  • 2004 Keller Galerie, Zürich
  • 2005 Galerie Hochschule Wädenswil
  • 2005 JETZTKUNST, Schüpfen
  • 2005 Galerie SpiegelArt, Sarmenstorf
  • 2006 Galerie ARTena, Waltenschwil
  • 2006 StäfART, Stäfa Galerie Trotte im Mies
  • 2007 Kulturschiene, Herrliberg
  • 2008 StäfART an der Hochschule Wädenswil
  • 2009 Vivendi Wald
  • 2010 Villa Grunholzer, Uster
  • 2010 Galerie Claudine Hohl, Zürich
  • 2011 Ortsmuseum Meilen
  • 2012 Galerie ARTena, Waltenschwil
  • 2013 Alte Kirche Härkingen
  • 2013 Vivendi Wald
  • 2013 Villa Grunholzer Uster
  • 2013 Galerie Rosenhofraum Wädenswil
  • 2016 Kulturschüür Liebegg, Männedorf
  • 2017 Galerie am Lindenhof, Zürich
  • 2019 Galerie am Lindenhof, Zürich